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  • »Miruna« ist der Autor dieses Themas

Registrierungsdatum: 30. March 2006

Spiel: Everquest 2

Charakter: Tesh

Wohnort: Da wo der Beton blüht

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Saturday, 18. October 2008, 19:39

Nintja

Von einem Moment auf den Anderen wechselte das gleichbleibende völlige Schwarz hinter ihren Augenlidern zu einem Rot. Hell, fast grell nach den Stunden, Tagen, schon Immer? in der Dunkelheit, entflammte die Leuchte über der metallenen Liege auf der sie unbeweglich, starr lag, unfähig die Lider zu öffnen, die Finger zu bewegen oder auch nur zu zucken.
Bald war es wieder so weit, dann würde sie sich bewegen, gesteuert, unfähig ihr Entsetzen in Worte zu fassen, den Sprechen war ihr nicht vergönnt.
Ruckartig öffnete sie die Augen, das grelle Licht brannte wie mit Nadeln, doch schließen konnte sie sie nicht, dem Licht nicht entgehen, das ihr unbarmherzig ins Gesicht schien. Unbeholfen, mit abgehackten Bewegungen setzte sie sich auf, das Licht verschwand aus ihrem maskenhaften, starren Gesicht, träge, schwer drehte sie sich auf ihrem mageren Po, die Beine baumelten über den Rand der Liege, rutschten hinab, bis die Füße auf den Boden kamen. Wie unter mühen stellte sie sich auf, schwankend, dann erste Schritte, mit denen sie taumelnd und unbeholfen zu der Tür vor ihr wankte. Ihr Arm streckte sich aus, ihr Hand griff die Klinke und sie ging, stolperte hinaus. Hinaus, neuem Entsetzen entgegen, Gast in ihrem eigenen Leib, keine ihrer eigenen Bewegungen selber steuernd.



* * *

Nintja mußte niesen, einmal, zweimal, dreimal, erst dann war das schreckliche Kribbeln das die weißen, leichten Pollen der Palemkoblüten in ihrer Nase hervorriefen vorbei. Mit ihren großen, leuchtenden Augen schaute sie voller Bewunderung auf die blinkenden bunten Lichter des Gnadenbaumes, auf die vielen bunten Päckchen, Kartons und Schachteln die unter ihm lagen, für jedes Kind mehr als nur eins.
Die Huldvollen zeigten sich dieses Jahr besonders großherzig, und alle waren angehalten ihnen Dankbar zu sein, und Nintja wußte, das die Huldvollen dies auch verdient hatten. Jeden Tag, vor dem Frühstück und vor dem Abendbrot, sprachen sie mit den Servitorbildnern die Gebete, ehrten die Huldvollen die ihre schützende Hand über sie hielten, selbstlos und voller Güte.
Servitorbildner Akarn kam mit zwei großen Schachteln zu ihr, sein etwas steifes Gesicht, das so sehr dem ihren und der anderen Kinder ähnelte und doch so anders war, die silbrige Haut die sich beim sprechen nur langsam bewegte, als würde sie härter, zäher sein als ihre, glänzte in den Lichtern des Gnadenbaumes.
Zu einem Lächeln verzogen schaute er sie an, reichte ihr die Schachteln herüber: „Danke den Huldvollen, Nintja, danke ihnen und freue dich ihrer Gnade.“
Mit diesen Worten durfte Nintja die Geschenke entgegen nehmen, vor Aufregung zitternd stellte sie sie vor sich ab, dann öffnete sie vorsichtig die Erste. Gleich ein ganzer Satz neuer Kleider war dort drinn, ein neuer Rock, eine neue Bluse und ein paar neuer Schuhe, diese mit den weichen Kunststoffsohlen und den weißen Leinen, die, die so bequem und überall zu tragen waren.
Begeistert hielt sie die Bluse an ihren schmalen Oberkörper und drehte sich, einen Ärmel ausstreckend im Kreis, lachte leise, denn lautes Lachen geziehmte sich nicht, die bunten Lichter des Gnadenbaumes funkelten über ihr Gesicht, dann legte sie sorgfältig faltend die Kleider zurück in die Schachtel.
Aufgeregt öffnete sie nun flink die zweite Schachtel, legte den Kopf schräg als sie hinein schaute und grübelte einen Moment über das was sie dort sah. Ein Buch, ähnlich denen, in denen sie immer im Unterricht lasen, eingefasst in eine Folie die als Schutzumschlag diente. Vorsichtig nahm sie das Buch heraus, hielt es vor sich und versuchte den Titel zu entziffern. Nur mühsam konnte sie die Buchstaben ordnen, gehörten sie doch zu der Sprache der Huldvollen, der Sprache, die sie ja erst noch lernen mußte, wenn sie alt genug dafür wäre. Dann begriff sie, es war ein Sprachenbuch, sie war nun alt genug, im nächsten Jahr würde sie die Sprache der Huldvollen lernen dürfen.
Die Schachtel mit den neuen Kleidern unter dem Arm geklemmt, das Buch mit der noch fremden Sprache vor ihre Mädchenbrust gedrückt schaute sie wieder mit leuchtenden Augen auf den Gnadenbaum, dessen Lichter nun noch bunter, fröhlicher zu blinken schienen.

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Saturday, 18. October 2008, 19:41

* * *


Schaukelnd, mit abgehackten Bewegungen stapfte sie erst das linke, dann das rechte Bein vor. Hin und her schwankend ging sie den langen, mit Plastikbelag ausgestatteten, hellerleuchteten Korridor entlang, immer weiter und weiter, eine Ewigkeit wie es schien, bis sie zu der gläsernen Tür kam. Mit erschrecken überkam sie, das sie nicht anhielt, nicht die Hand ausstreckte um die Tür zu öffnen, sondern mit einem dumpfen Laut gegen die Tür lief, ihr Kopf prallte gegen das Glas, Schmerz breitete sich aus während sie ein zweites mal gegen die Tür prallte, dann einfach nach hinten umfiel, wobei sie mit dem Hintern und dem Kopf auf den Boden prallte. Einen Moment sah sie Sterne vor den Augen, eine schon fast willkommene Abwechslung zu erst der ewigen Dunkelheit und nun dem grellen Licht, dann wurde ihr Körper wieder von ihren eigenen Muskeln hochgerissen, stemmte sich hoch, den Schmerz völlig ignorierend der ihr durch die Glieder zog.
Stehend streckte sie nun die Hand aus, öffnete die Glastür und torkelte dann weiter. Schlimmer als all der Schmerz war, das sie wußte, wie sehr dies grade für Gelächter bei den Anderen gesorgt hatte, jenen, denen sie ausgeliefert war, die sie leiden liessen.


* * *


Drei Tage später war es endlich soweit, der neue Unterricht begann und das Buch, das Sprachenbuch, dessen seltsame Zeichen und Worte sie nicht verstand, begann sich erstmals ein wenig vor ihr zu offenbaren.
Eifrig lauschte sie den Erklärungen von Servitorbildner Akarn, der in langen, ein wenig, aber nur ein wenig, ermüdenden Ausführungen die neue Sprache vermittelte. Immer wieder erwischte sich Nintja dabei wie ihre Gedanken abschweiften, während sie den Worten lauschte, dann nahm sie sich ganz besonders zusammen. Denn, Servitor, das wurden nur die Besten, die, die am eifrigsten lernten, die sich immer und überall bemühten und so zeigten, das sie deren würdig waren.
Und die allerbesten der Besten, denen konnte sogar die Ehre zuteil werden, das ihre Gene bewahrt wurden... Gene bewahrt, wie aufregend und erstrebenswert das klang, Gene, das war sicher was ganz besonderes.
Die Anderen aber, die, die versagten, die sich nicht als Servitor würdig erwiesen, denen wurde ein ganz schlimmes Schicksal zuteil, das wußte sie, was für ein Schicksal, nun, ein junges Mädchen, grade ein so besonders fleissiges und bemühtes wie Nintja, das mußte sich darüber nun keine Gedanken machen, sagte Servitorbildner Akarn immer. Aber es mußte wirklich etwas ganz schreckliches sein, denn alle hatten große Angst davor.
Tag für Tag, Woche für Woche, entschlüsselte sich langsam und allmählich der Sinn, der Klang und der Rhythmus der Sprache Huldvollen. Von ersten Erfolgen beflügelt und überschwenglich von Servitorbildner Akarn gelobt vertiefte sich Nintja voller Ergeiz in die Lehre der Sprach und vergaß immer häufiger die Mahlzeiten, ging an den Nachmittagen nicht mehr hinaus mit den anderen Kindern um die freien Stunden zu genießen, einzig und allein der Wille, die Sprache schnell und gut zu lernen und so den Grundstein zu legen, eine Servitorin zu werden, bestimmte diese Tage ihres noch so jungen Lebens.
Servitorbildner Akran tadelte sie des öfteren, gerade was das Auslassen der Mahlzeiten betraf und nach jedem mal dieser Tadel folgte sie einige Tage dem Rhythmus der Schule, bevor sie es wieder vergaß um weiter zu lernen. Die Tadel blieben sanft und wenig bestimmt und der Servitorbildner zeigte häufig ein gewisses Lächeln, wenn niemand zu sehen war, ein zufriedenes Lächeln.